Cape Town, welches im 17. Jahrhundert als Versorgungsstation der Schiffe von Europa nach Indien und zurück von den Holländern besiedelt wurde, ist auch heute noch eine eher „weisse“ Stadt. Durch ihre Lage ist das Wetter da sehr unbeständig und wir haben wohl gerade eine schlechte Zeit erwischt, haben aber das Beste daraus herausgeholt:
Von der Kaphalbinsel benutzen wir den Chapman‘s Peak Drive um in die City zu gelangen. Diese Strecke führt an der Atlantikküste entlang und ist eine beliebte Route bei Autofahrern, Motorradfans, Velofahrern, Joggern und Wanderer. Auch wir schnallen unsere Wanderschuhe und erklimmen bei Sonnenschein mit erheblich kühlem Wind den Chapman’s Peak. Oben angekommen hat man eine 360°Rundsicht auf die Kaphalbinsel, FalseBay (Kalk Bay, Simon’s Town etc.) und HoutBay mit den „twelve apostels“ (Rückseite des Tafelberges). Das Wetter zieht rasch zu, aber wir erreichen Gott sei dank noch trocken unser Auto, welches uns zu unserer Unterkunft für die nächsten Tage bringt, Fawlty Towers – Apartment (nahe dem Green Point Station).
Jetzt müssen wir unseren „white Dragon“ komplett ausräumen, da wir ihn dringend in eine Werkstatt bringen müssen, da die Kupplung nicht mehr greift :o(
Abends treffen wir Miri & Simon Schmid (deutsche Freunde von uns, die in der Schweiz wohnen) an der Victoria & Alfred Waterfront, das am Hafen gelegene Vergnügungsrevier mit Restaurants, Läden, Theater, Bars und vielen Touristenangeboten für Shifffahrten etc.
Am folgenden Tag besuchen wir mit Miri und Simon Pastor Ohm, den Organisationsleiter von AFRICAN LEADERSHIP(
http://www.africanleadershipinc.org) in seinem Haus. Beim Kaffee erklärt er uns seine Arbeit und die Organisation, in welcher Miri und Simon jedes Jahr mehrere Wochen mithelfen.
Zusammen bringen wir unser Auto in eine Werkstatt, wo der Mechaniker das Problem sofort erkennt und uns noch am selben Tag eine neue Kupplung einbauen will.
Dann fahren wir ins Township Khayelitsha (das grösste in Cape Town mit 2 Mio Einwohner), wo AFRICANLEADERSHIP tätig ist und besuchen einige PreSchools (eine Art Kinderhort für arbeitende Mütter/ Eltern der Township).
Krass sind die Gegensätze der riesen Hochhäuser, der V&A Waterfront etc. zu diesen Blechhütten ohne Heizung, dicht aneinandergedrängt, dreckig ,elend!
Die PreSchool-Wellblechhütten sind erstaunlich schön und einladend gebaut, farbenfroh und innen mit sauberen Fliesen und bemahlten Wänden.
Die anwesenden Kinder, ca. im Alter zwischen 2 und 4Jahren stürmen auf uns los, wollen vorallem anfassen und angefasst werden, strahlen eine kindliche Freude aus und sind kaum zu bändigen.
Kaum zu glauben ist es, als Miri uns bei einem „Rohbau“ einer Preschool die momentane Räumlichkeit zeigt: ein Raum von 2,5m x 3,5m für 120Kinder!!!
Am Nachmittag fahren wir zu Marco, einem Deutschen, der Organisationsleiter von Sibongile (
http://www.sibongile.org), einer Heimstätte für cerebralgelähmte Kinder der Township. Wir sehen die 3 verschiedenen Unterkünfte, die Mamma’s und die Kinder – unvorstellbar! Marco erzählt sehr ehrlich über die Freuden und die Probleme der Stätte und wir versuchen uns von den Eindrücken nicht erdrücken zu lassen! Die Situation geht uns echt unter die Haut. Wir sehen als Physiotherapeuten wie viel es zu tun gibt und diesen Kindern wird vom Staat jedoch nur 1 Mal 1/2h Physio pro Monat (!) gezahlt. Und die „Mamma’s“ (Frauen aus der Township) arbeiten 12h pro Tag für einen Hungerlohn, sehen den ganzen Tag die meist schwer behinderten Kinder und haben zuhause meist selber Kinder die ohne Aufsicht sind – wie ausgelaugt sie sind können wir nur schwach erahnen…
Da unser Auto doch erst in 2Tagen wieder fahrtüchtig ist, lösen wir am folgenden Tag ein 2-TagesTicket des City-SightseeingBusses. So sehen wir den Green Market mit seinen afrikanischen Kunsthandwerken, Schmuck und Kleidern, Bo Kaap (die farbenfrohen Häuser der v.a. indischen Einwohner), den District 6, welcher noch heute kaum wieder bewohnt ist nach der Räumungsaktion der Regierung in der Apartheitszeit, den Tafelberg, Lions Head und Signal Hill, die reiche und weisse Gegend der Victoria Road (Hout Bay, Clifton, Camps Bay, …), das GreenPoint Station der WM 2010 uvm.
Etwas mehr Zeit lassen wir uns im Kirstenbosch Botanical Garden am Fusse des Tafelbergs, wo wir innert 1,5h 2x verregnet werden und dazwischen den blauen Himmel mit Sonnenschein über uns haben, typisch für die Wetterunbeständigkeit des Kaps!
Am zweiten Tag nutzen wir das Ticket, um zur SeilbahnStation des Tafelbergs zu gelangen. Beim Aufstieg werden wir jedoch in dichten Nebel gehüllt, welcher uns die Sicht auf die Stadt vollständig nimmt. :o(
Nach einer Stunde haben wir die Tafelebene bei Sonnenschein erreicht und steuern schnell wieder die Route nach unten an, die uns zum Kirstenbosch Botanical Garden bringt. Spätestens an diesem Tag haben wir das „randern“ erfunden, eine Mischung aus wandern und rennen, denn die Zeit drängt, da wir in 2h spätestens unten sein sollten um den nächsten Bus zu erreichen, der uns zum Weingut bringt.
Der Abstieg ist teils recht rutschig und wiedermal sind wir nicht immer sicher, ob wir noch auf dem Wanderweg sind.
Wir schaffen die Route, welche mit gut 6,5h angegeben wird, in knapp 3h und können gemütlich im Groot Constantia Weingut uns dem Wein testen hingeben. Je 5 Weine, von weiss über rot bis Dessertwein gibt es da zu probieren. Ausser dem Morgenessen und etwas Chips haben wir nichts im Magen und so spüren wir dann doch den Alkohol…
Nach den Touristen-Tagen können wir nun endlich unseren „white Dragon“ abholen, der nun wieder recht flott läuft und fahren dann ein weiteres Mal nach Khaylitsha.
Zusammen mit Miri und Simon sägen, hämmern, malen und streichen wir in einer noch fertigzustellenden Wellblechhütte einer PreSchool. Als Volunteer arbeitet man da und muss meist jeden morgen erst wieder alles Werkzeug und Material zusammenbringen und die zuständigen Leute bitten, das Zeug zu bringen, was dann in afrikanischem Tempo auch irgendwann mal geschieht….
Anfangs Nachmittag nehmen wir gemeinsam noch an einer Sonntagsschule im Township teil. Mitten auf den Strassen singen, tanzen, beten wir mit gut 40 Kindern und hören eine biblische Geschichte.
Am Tag unserer Abreise aus Kapstadt scheint doch tatsächlich die Sonne schon am morgen. Nachdem wir nochmals an der V&A Waterfront waren, woher wir endlich einen herrlichen Blick auf den Tafelberg hatten, fahren wir auf den Signal Hill Strassen und auch da ist die Aussicht über CapeTown nach allen Richtungen atemberaubend.
Dann erklimmen wir den Lion’s Head mit vielen anderen, Jungen und Alten, sportlichen und gelasseneren, Touristen und Einheimischen.
Abends im Camping instruieren uns verschiedene Südafrikaner, wie man ein richtiges Feuer macht mit Holz (nicht wie wir mit Kohle) und es mit Gas-Flammenwerfer entzündet ;o)
Nachdem wir am Bloubergstrand, etwas nördlich von Kapstadt einen letzten Blick auf den Tafelberg erhaschten, begeben wir uns ins Century City, einem Einkaufscenter mit über 400Läden . Da bekommt Michi einen neuen Haarschnitt und die Kühlbox und Vorräte werden aufgefüllt.
Später treffen wir uns mit Miri & Simon und besuchen gemeinsam Hillsong und anschliessend heissts definitiv Abschied nehmen von den beiden und wir machen uns auf den Weg Richtung Cederberge.